Jürgen Kasek

eratischer Eskapismus

"25 Jahre Tschernobyl - Bündnis ruft zur Demonstration gegen Atomkraft auf dem Augustusplatz auf"

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Für den 26.04.2011 ruft ein breites Bündnis zu einer Demonstration gegen Atomkraft auf dem Leipziger Innenstadtring auf. Beginn ist 18 Uhr auf dem Augustusplatz. Die Veranstaltung endet mit der Vorführung des Films „Die Wolke – Tschernobyl und die Folgen“ gegen 20 Uhr wieder auf dem Augustusplatz. Die Demonstration findet auf den Tag genau 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl statt.

„Auch 25 Jahre nach dem Super-GAU und vielen weiteren Beinahe-Katastrophen, wie 2006 im schwedischen Forsmark oder 1979, 1983 und 2009 im amerikanischen Harrisburg, ist die Gefahr Atomkraft nicht gebannt.
Spätestens seit dem 11.03.2011, als es im japanischen Fukushima zum zweiten atomaren Super-GAU der Geschichte kam, muss klar sein, dass es keine Sicherheit geben kann. Mit unserer Demonstration wollen wir darauf aufmerksam machen und die Zeichen für einen sofortigen Atomausstieg setzen“, erklärt Sandra Post vom Bündnis das Anliegen der Demonstration.
„Die richtige Schlussfolgerung aus den vielen Zwischenfällen und insbesondere der Katastrophe von Tschernobyl hätte längst gezogen werden müssen. Die langfristigen Folgen für Umwelt und Gesundheit, sowie der sozioökonomische Aspekt muss nun endlich von den Regierungen bei der Gestaltung ihrer Energiepolitik umfassend anerkannt und berücksichtigt werden.“, stellt Mike Nagler, der attac im Bündnis vertritt, fest. Gerade die Reaktionen der Bundesregierung machen deutlich, dass mehr Druck durch die Bevölkerung entstehen müsse um ein Handeln zu erzeugen.
Alexander John, Sprecher der Klima-Allianz, wies daraufhin, dass der Atomausstieg nur ein Teilschritt, obgleich
ein entscheidender, in Richtung postfossile Zukunft sei. „Unser Ziel ist es nicht, durch einen sofortigen Atomausstieg die anderen fossilen Energiequellen wieder zu beleben“, so John. „Es wird ganz deutlich, dass eine Zukunft ohne fossile Energieträger möglich ist - und das bereits in den nächsten Jahrzehnten.“
Jürgen Kasek, der die Demonstration angemeldet hat, zeigte sich zuversichtlich über die erwartete Teilnehmerzahl und den Ablauf. „Wir rechnen mit mehreren Hundert Menschen, die mit uns zusammen demonstrieren.“, so Kasek.
Zur Demonstration rufen inzwischen nicht nur die Parteien SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN groß auf, sondern auch die Umweltverbände, Gewerkschaften und Kirchen unterstützen die Veranstaltung. So wird bei der Zwischenkundgebung an der Thomaskirche unter anderem Thomaskirchpfarrer Christian Wolff sprechen. Auch Gruppen aus Halle und Dresden haben sich inzwischen angekündigt. Neben den Redebeiträgen wird es musikalische Beiträge von verschiedenen Sambagruppen und einer Band aus Halle geben.
Zu Beginn des Aufzugs soll durch eine Performance an die Katastrophe von vor 25 Jahren gedacht werden. Das Bündnis ist bundesweit vernetzt. Bereits am Montag, dem 25.04. finden deutschlandweit Proteste an 12 Atom-Standorten statt.


Koordinatoren des Bündnisses: Alexander John, Sandra Post, Mike Nagler, Jürgen Kasek, Steve Bormann, Torben Ibs, Manuela Lagrange


Weitere Informationen gibt es auch unter http://antiatom.wordpress.com


Unterstützer: Ökolöwe, Attac Leipzig, Klima-Allianz Leipzig, B.U.N.D. Leipzig, Naturschutzbund Leipzig,
BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN Leipzig, DIE LINKE Leipzig, SPD Leipzig, Jusos Leipzig, Grüne Jugend Leipzig,
Linksjugend Leipzig, linxxnet Leipzig

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Rede Mahnwache 4.4. Leipzig, Japan

Die Fukushima-Ticker sind ausgeschaltet, die Schlagzeilen haben sich verändert. Die Flut an Nachrichten hat uns von der Reaktorkatastrophe hinweggetrieben. Wir sind weniger geworden, der Schrecken hat nachgelassen, ist dem Gleichklang gewichen. Dem Gleichklang einer zunehmenden abgestumpften Welt, in der wir nur noch Konsumenten sind. Wir dürfen und können dennoch nicht vergessen was geschehen ist. Zu groß sind die Auswirkungen der Explosionen in Fukushima, die vor zwei Wochen live auf allen Kanälen zu sehen waren.
Die Zeitrechung ist seit dem 11.03.2011 eine andere.

11. März (Tag 1)
14:46 Uhr: Japan wird im Nordosten vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte erschüttert. Kurz darauf folgen zwei bis zu 23 Meter hohe Flutwellen.

Die Nachrichtenlage aus Japan, sie bleibt bedrohlich. Inzwischen wissen wir, dass es über 11.500 bestätigte Tode gegeben hat, während 15.000 weiterhin als vermisst gelten. Durch das Beben wurden Fabriken zerstört, durch Schäden an Atomkraftwerken kam es zu Engpässen in der Stromversorgung, wodurch wiederum Produktionsketten unterbrochen wurden. Die Menschen in Japan ? ihnen bleibt nichts anderes übrig als die Angst zu ertragen.

12. März (Tag 2)
14:00 Uhr: Die Atomsicherheitsbehörde teilt mit, dass in Fukushima I möglicherweise eine Kernschmelze begonnen habe. Eine Stunde später kommt es zu einer ersten Wasserstoffexplosion im Reaktorblock 1, bei der das Dach und die Wände zerstört werden, wodurch auch Arbeiter verletzt wurden. Die Strahlenwerte in der Umgebung beginnen laut Angaben der Regierung zu steigen.

Der Betreiber des Atomkraftwerkes in Fukushima dokumentiert seine Hiflosigkeit. Die Versuche mittels Wasserwerfern die Brennelemente zu kühlen, wirkt hilflos. 11.500 t kontaminiertes Wasser sollen kontrolliert in den Ozean abgelassen werden, mit einer Strahlenbelastung, die hundertfach über den zulässigen Wert liegt. Im Reaktor zwei ist ein Leck in einem Kabelschacht entdeckt wurden. Die Versuche das Leck mittels Beton, Sägespänen und Zeitungspapier zu schließen, sind gescheitert. Selbst die japanische Regierung räumt ein, dass die Behebung aller Schäden und die Verschließung aller Lecks noch Monate dauern kann. Der Betreiber TEPCO plant inzwischen die weniger havarierten Meiler wieder ans Netz zu nehmen. Es sind Nachrichten, die uns fassungslos machen, die uns ungläubig ob des Wahnsinns zurücklassen.

14. März (Tag 4)
Gegen Mittag ereignet sich erneut in dem Katastrophen-AKW eine Wasserstoff-Explosion, diesmal in Reaktor 3. Wieder werden Menschen verletzt.
Ein erster Versuch, den Reaktor 2 mit Meerwasser zu kühlen, ist fehlgeschlagen.
Am Abend räumt der japanische Regierungssprecher Edano ein, dass in drei Reaktoren Kernschmelzen drohen. Außerdem sei im Areal um das AKW erhöhte Radioaktivität festgestellt wurden.
(Anm. d. Verf.: man beachte den Widerspruch!)

Wir stehen hier, weil wir mahnen wollen, weil uns das Geschehene schmerzhaft die Fehlbarkeit des Menschen vor Augen führt. Und wir stehen hier, weil wir den Eindruck haben, dass nicht die richtigen Schlussfolgerungen aus der Atomkatastrophe gezogen werden.

Nach Meinung des Direktors der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) stellt die japanische Atomkrise eine große Herausforderung dar und wird enorme Folgen für die Atomkraft haben. Die Weltgemeinschaft könne nicht wie bisher weitermachen, es müsse mehr für die Erhöhung der Sicherheit von Atomkraftwerken getan werden, um das Risiko zukünftiger Katastrophen wie in Fukushima-Daiichi zu verringern, sagte IAEA-Direktor Yukiya Amano am Montag.

Dass es ausreiche, die Sicherheitsstandards zu erhöhen, um AKWs vor unvorhergesehenen Beben in einer von Erdbeben hochfrequentierten Region zu sichern, kann nur als reiner Zynismus abgetan werden.

27. März (Tag 17)
Tepco meldet, im Wasser des Reaktors 2 sei die Radioaktivität auf einen Wert von zehn Millionen Mal über normal (Anm. d. Verf.: bez. auf Meerwasser) gestiegen. Kabinettssekretär Yukio Edano sagte, das extrem radioaktiv verseuchte Wasser stamme ?nahezu sicher? aus einem Reaktorkern, wahrscheinlich durch einen Riss in der Schutzhülle.


Bislang herrschte auch in Japan der Glaube vor, dass Mensch nicht ohne den Strom aus der Atomkraft leben kann. Gerade das Verhältnis zwischen Politik und der Atomwirtschaft scheint ein inniges zu sein. So schreibt die Süddeutsche Zeitung:

Den Atomkonzernen kam zudem ein spezielles Verhältnis einiger japanischer Wirtschaftszweige zur Politik zugute: Hohe Beamte können damit rechnen, nach ihrer Pensionierung von Firmen, die sie zuvor überwacht haben, hochbezahlte Berater-Jobs zu erhalten. "Amakudari" heißt diese institutionelle Korruption, "vom Himmel gestiegen". Doch anders als die parastaatliche Kernenergie können die von der Privatwirtschaft entwickelten Alternativ-Energien kaum Amakudari-Jobs anbieten. Deshalb sind ihre Konzepte für Beamte unattraktiv. Bei Windenergie hinkt das windreiche Japan sogar den USA hinterher. Weltweit wird derzeit zwei Prozent des Stroms aus Wind gewonnen, in Japan nur 0,4 Prozent.

Der Ausbau von alternativen Energien, er hat in Japan noch nicht einmal begonnen, weil die Atomwirtschaft diesen bewusst verhindert hat.
Erst am 28. März, dem Tag 18 der Katastrophe, räumt die japanische Regierung eine Kernschmelze in Reaktorblock 2 ein. Diese habe wahrscheinlich schon kurz nach dem Tsunami begonnen.
Zum ersten Mal wurde am Montag auch außerhalb des Gebäudes von Reaktor 2 stark radioaktives Wasser entdeckt. In mehreren Kontrollschächten eines unterirdischen Kanals, der aus dem Turbinengebäude des Reaktors hinausführt, habe sich verstrahltes Wasser angesammelt, teilte ein Tepco-Sprecher mit. Die Radioaktivität betrage 1000 Millisievert pro Stunde.

Tage sind seitdem vergangen. Tage in denen der Zynismus zugenommen hat. Auch wir tragen eine Verantwortung. Jeder einzelne von uns.
RWE hat inzwischen eine Klage gegen die Abschaltung von Biblis I eingereicht. Die Bundesregierung hat nach wie vor keine überzeugende Antwort vorgelegt.
Eine Antwort die wir kennen. Eine Antwort, die wir - anders als die Apologeten der Atomkraft - auch mit den besseren Argumenten zu unterfüttern wissen. Eine Antwort die nur sein kann ?
Abschalten.

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Posted April 5, 2011

Rede zur Mahnwache am 28. März 2011- 17 Tage nach Fukushima

Wir beginnen die Tage zu zählen. Die Katastrophe von Japan ist Bestandteil der Geschichte geworden. Einer Geschichte, die nicht abgeschlossen ist, nicht beendet ist. Der Schrecken hat nachgelassen, ist fast zum Alltag geworden. Das Rat der Zeit, es dreht sich weiter.

Am 11.03.2011 bebte die Erde, es folgte ein Tsunami und das, was darauf folgte, ist die Katastrophe nach der Katastrophe - der atomare Schrecken, der uns so fremd war, so abstrakt, ist wieder zurückgekehrt. Nicht nur hier, nein, überall, weltweit.

25 Jahre nach Tschernobyl hat der atomare Schrecken einen neuen Namen - Fukushima

Das, was wir wissen aus Japan, von den Menschen, von den Überlebenden, von den Opfern, hinterlässt auch bei uns weit entfernt, trotz aller Unterschiede, ein Gefühl des tiefen Mitgefühls.

Inzwischen sind über 9000 Menschen offiziell für tot erklärt worden. Über 14.000 werden weiterhin vermisst, werden wohl nie mehr auftauchen. Neben der Kälte in Japan, zum Winter und Frost, kommt für die Menschen nun immer mehr auch die Angst, die Angst aus der Luft und dem Wasser, die Angst vor der radioaktiven Strahlung. 8 Gemüsesorten sind inzwischen als bedenklich eingestuft, das Trinkwasser ist zum Teil kontaminiert und der Strom wird knapp.

Gestern hat die japanische Regierung offiziell eingeräumt, was nicht mehr zu leugnen war. In Fukushima findet eine Kernschmelze statt. Die aktuellen Werte und Aussagen belegen das Ausmaß der Katastrophe. Doch nach wie vor wird verschleiert. Von Seiten des Betreibers werden immer wieder Dementis gestreut und werden nur zögerlich Informationen preisgegeben.

Der Chef der IAEA äußerte sich, dass das Ende des Unfalls noch in weiter Ferne liege. Und auch in Japan werden die Menschen wütend. Wütend, da sie sich allein gelassen fühlen mit der Angst, weil die Informationen nur zögerlich fließen. Und so waren es auch am Wochenende wieder mehrere Hundert, die in Tokio gegen Atomkraft protestiert haben. Von Woche zu Woche werden es mehr.

Zur Tatsache, dass inzwischen eine sehr starke radioaktive Verstrahlung mit Cäsium 137 und Iod 131 festgestellt wurde, die im pazifischen Ozean den Grenzwert um das 1250 fache übersteigt, partiell sogar um das 2000fache, kommt dazu, dass nunmehr auch freie Neutronen festgestellt wurden und damit eine Kontamination mit Plutonium und Uran als sicher gelten kann.

Die Lage ist dabei weit entfernt unter Kontrolle zu sein. Die ganze Hilflosigkeit beim Umgang mit diesem Unfall, sie wird uns jeden Tag vor Augen geführt. Nachdem am Anfang versucht wurde, die Brennelemente mit Meerwasser zu kühlen, sind diese Versuche nunmehr gestoppt wurden, da sich zum Teil bis zu 45 t Salz um die Brennstäbe gelegt haben und diese nun isolieren und damit eine effektive Kühlung verhindern. Zusätzlich ist inzwischen massenhaft kontaminiertes Wasser in den Pazifik gelaufen und läuft weiter. Die einzige Hoffnung, sie besteht darin, dass sich das kontaminierte Wasser schnell verdünnt und zumindest Iod 131 eine kurze Halbwertszeit hat.

Und ebenso ist inzwischen allen klar, dass es nach der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren zu einem zweiten Unfall in dieser Größenordnung gekommen ist – Fukushima.

Der Alptraum ist wahr geworden. Ein Alptraum einer Menschheit, die sich in der Lage fühlte, die Natur zu beherrschen. Nein, der Mensch, er hat versagt, hat sich überschätzt, wieder einmal. Wieder einmal mit katastrophalen Folgen.

Heute auf den Tag genau kam es im amerikanischen Harrisburg zu einer partiellen Kernschmelze. Zum ersten Mal realisierte sich damit ein Restrisiko, welches bei dieser Technologie nur alle zehntausend Jahre auftreten sollte.

Am 26.04.1986 kam es zur Katastrophe von Tschernobyl, dem ersten atomaren Super-GAU. Und heute stehen wir hier, zittern mit, sind voller Sorge und auch Wut, weil sich das Restrisiko ein drittes Mal verwirklicht hat.

Wir wollen nicht diskutieren, wir sind nicht die Apologeten des Untergangs, aber wir weisen daraufhin, dass eine Technologie, die im Schnitt aller zehn Jahre zu einem Super Gau führt, nicht sicher ist, niemals sicher sein kann, egal was man uns versucht zu erklären.

Japan mahnt uns und ist uns Aufforderung zu gleich. Eine Aufforderung zum Handeln. Aber dieses Handeln beginnt zu erst in den Köpfen. Bedeutet auch für uns, dass ein Umdenken erforderlich ist. Dass es kein höher und schneller mehr geben kann. Dass wir uns als Menschen bremsen müssen, dass wir sparsamer mit den kostbaren Ressourcen sein müssen, die uns die Natur geschenkt hat.

Und es reicht auch nicht zu fordern, dass wir nur in Deutschland aus der Atomenergie aussteigen. Strahlung macht vor Ländergrenzen keinen Halt. Direkt hinter der sächsischen Grenze steht in Tschechien der Meiler von Temelin, dessen Strahlung uns bei einem Reaktorunfall auch erreichen würde. Im amerikanischen San Onofre stehen AKWs, die ebenfalls in einem plattentektonischen Spannungsgebiet errichtet wurden, in unmittelbarer Nähe des Ozeans, in unmittelbarer Nähe von Los Angeles, und überaltert.

An uns ist es, die Erinnerungen an das Geschehen aufrecht zu erhalten. An uns ist es, die richtigen Schlüsse zu ziehen und zu handeln und dieses Wissen weiterzugeben. Im Angesicht der Katastrophe ist es schwer ruhig zu bleiben und sich nicht der Ohnmacht hinzugeben. Ist es schwer, hinaus zu blicken in die Welt.

Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima sind die Worte, die sich eingegraben haben. Die Welt ist nicht mehr die Selbe. Es liegt an jedem Einzelnen von uns etwas dazu beizutragen, dass sie eine bessere wird.

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