Ode an mein Rad, Ruhe in Frieden treuer Gefährte
Es gibt etwas, dass mich in diesen Stunden mehr bewegt als alles Andere. Mein Fahrrad, es ist nicht mehr, hat aufgehört zu sein, wird mich nicht mehr tragen. Wie viele Sommer und Winter verbrachten wir zusammen? Wie viele Nächte hindurch brachte es mich sicher nach Hause und warf mich nur hin und wieder ab, wenn zügelloser Übermut sich meiner bemächtigte. Gemeinsam durch die grauen Alltagsschluchten sind wir gefahren, durch türmenden Schnee, entlang von Stränden und Feldern und über kargen Asphalt, immer warst du da und nie hast du mich enttäuscht. Vor so manchen rüden Rowdys der Landstraße und Uniformierten gerettet, so viele Augenblick geschenkt. Alles Glück dieser Erde lag auf deinem Sattel. Allein der letzte Winter er war zuviel, nach mehr als zehn Jahren, in denen wir untrennbar verbunden, hast du aufgegeben, dein Rahmen er ist gebrochen. Zuerst brachen die Bleche, dann verharkten sich die Pedale, am Ende der Rahmen, du hast gelitten und mich doch immer ans Ziel gebracht.
Verzweifelt versuchte ich dich zu befreien, die Schrauben wieder anzuziehen, aber alles flehen und kämpfen, diesmal war es vergeblich. Nie wieder werden wir eins sein. Aber ich werd dich in Ehren halten, deine Teile weiterverwenden, und alles Teil werden lassen, einer neuen Generation. In meinem Herzen wirst du immer sein. Ruhe in Frieden, treuer Gefährte.
