Protest gegen die Zerstörung des Auwaldes, 16.04.2011 Für den Auwald kämpfen, Redebeitrag B.U.N.D.
Protest gegen die Zerstörung des Auwaldes, 16.04.2011 Für den Auwald kämpfen
Rede
Liebe Leipziger und LeipzigerInnen,
Der Ökolöwe hat dazu aufgerufen für den Auwald zu kämpfen und dieser Kampf darf nicht nur heute stattfinden. Nicht nur heute geht es darum uns zu widersetzen, zu entsetzen und Protest zu zeigen. Heute muss der Beginn sein, muss der Aufbruch sein für ein grundsätzlich neues Verständnis unseres Auenwaldes.
Denn dieses Verständnis des Auwaldes, seiner Bedeutung, seiner Schutzbedürftigkeit es fehlt. Dabei wurde die Einmaligkeit des Leipziger Auwaldes schon im vorigen Jahrhundert von Fachleuten bewundert und gepriesen. Und auch heute noch stellen die Auwälder des Pleiße und Elster- Luppe Gebietes- obwohl sie viel von ihrer Ursprünglichkeit eingebüßt haben, einen der kostbarsten Schätze dar, derer sich die Stadt Leipzig rühmen kann.
Aber das Verständnis dafür es scheint zu fehlen.
Es fehlt nicht nur in der Verwaltung, bei den Betonköpfen der Landestalsperrenverwaltung und im sächsischen Umweltministerium, es fehlt auch bei den Menschen.
Am aktuellen Geschehen, an der Zerstörung von über 25 ha Auwald, wird dieses Drama besonders deutlich. Denn nicht nur, dass damit ein ökologischer Raum verloren geht, nein der Schaden setzt sich fort. Die Gewässer des Auwaldes nehmen durch die durchgeführten Arbeiten massiven Schaden. Das Gewässerregime ist wird nachhaltig gestört, wird zerstört und mit ihm auch ein Teil ursprünglicher Natur. Damit geht nicht nur Naturraum verloren, auch die Artenvielfalt ist bedroht.
Dabei ist das Verfahren an den Deichen, nur das weithin sichtbare Stück einer gedankenlosen Zerstörung der heimischen Flora und Fauna. Auch an anderen Stellen wird eine Zerstörung immer deutlicher. Egal ob es um neue Bauvorhaben am oder im Auwald geht, egal ob es um eine wassertouristische Nutzung geht, die den Auwald schadet, die den Auwald zerstört. Immer wieder wird dabei auch schmerzhaft deutlich, dass es auch in vielen Teilen der Verwaltung am Bewusstsein fehlt. Dass heute kein Verwaltungsmitarbeiter oder Amt den Weg hierher gefunden hat, ist der weithin sichtbare Beweis, der blinden Ahnungslosigkeit, die uns regiert.
Noch 1992 schrieb der frühere Oberbürgermeister Hinrich Lehmann- Grube:
Die Tatsache, dass wir noch über einen einzigartigen, jedoch stark gefährdeten Auwald verfügen, sollte uns bewusst werden lassen, welche hohe Verantwortung wir tragen. Die wundervolle Natur des Auwaldes mit dem herrlichen Frühjahrsblühen muss für unsere Kinder und Enkel erhalten bleiben.
Und heute stehen wir hier weil wir uns fragen, wo dieses Bewusstsein ist. Warum werden Bauvorhaben im Auwald zugelassen. Warum wird ein Hochwasserschutzkonzept durchgesetzt, dass zu einem größtmöglichen ökologischen Schaden führt, warum werden Gräben im Auwald durch maschinellen Einsatz vertieft und vergrößert, dass sie wir Narben wirken und uns den Wald nehmen?
Wir verstehen, die Besorgnis der Bürger und die Angst vor einer Überschwemmung. Aber wir wenden uns dagegen, dass die LTV mit dieser Angst Politik macht und einen naturfeindlichen Kurs betreibt. Denn wir wissen, dass es andere Wege für einen vernünftigen Hochwasserschutz gibt. Möglichkeiten die billiger sind, ökologisch verträglicher und uns sicherer vor Hochwasser schützen.
Ökologisch vernünftiger Hochwasserschutz fängt am Oberlauf der Flüsse an, dort wo das Hochwasser entsteht.
Vor allem am Oberlauf der Flüsse müssen die einst vorhandenen Moore und artenreichen Wälder wieder so instant gesetzt werden, dass sie große Wassermengen speichern können. Diese Wasserspeicher brauchen wir auch, um uns gegen Wassermangel bei sommerlichen Hitzeperioden zu wappnen, die sich durch den Klimawandel häufen werden. Flußaufwärts von Leipzig brauchen wir in dünner besiedelten Gegenden große Überflutungsflächen. Das Hochwasser darf Leipzig gar nicht erreichen.
In Brandenburg wurde inzwischen begonnen einen anderen, naturverträglichen Hochwasserschutz zu realisieren. Ein Beispiel, welches Sachsens Umweltminister genauesten beobachten sollte.
Der Auwald er ist nicht erst seit heute bedroht, nicht erst durch den Unsinn der Landestalsperrenverwaltung und des Tornado Erlasses eines Umweltzerstörungsministers.
Viele haben es miterlebt, wie große Teile des Waldes der Kohle geopfert wurden und ein einst unberührtes Stück Natur unter den malenden Rädern von Schauffelradbaggern begraben wurden.
An jeden einzelnen von uns liegt es nun dafür zu sorgen, dass dieser Wald erhalten bleibt. An jeden einzelnen von uns liegt es, dass Wissen über die Einmaligkeit weiterzugeben und ein Bewusstsein für diesen Wald zu schaffen. Nicht nur Heute, sondern jeden Tag.
